Kreditklauseln – Stolperfallen im Kleingedruckten

Banken versuchen zunehmend, restriktive Klauseln in Kreditverträgen durchzusetzen. Firmenchefs sollten daher unbedingt diese Klauseln, auch Covenants genannt, beachten, bevor sie Kreditverträge abschließen – und gezielt über jedes Detail verhandeln.
[…] Banken haben nach wie vor mit kriselnden Märkten und hartem Wettbewerb zu kämpfen sowie zunehmend mit den immer strengeren gesetzlichen Vorgaben. „Neben Basel III kommen auf die Kreditinstitute zahlreiche EU-Richtlinien zu: Um sich für diese zunehmende Regulierung zu wappnen, bauen sie ihre Risikosteuerung aus“, fasst Josef X. Baumeister die Entwicklung zusammen. Der Geschäftsführer der baumeistervalue GmbH in Schongau berät familiengeführte Mittelständler zu Gesellschafter-, Finanzierungs- und Unternehmensfragen. Er bringt Erfahrung nicht nur aus der Bankbranche, sondern auch aus dem Mittelstand mit, zuletzt als CFO/CEO der Hirschvogel Automotive Group. Langfristig lässt die  Bankenregulierung die Preise für Kredite steigen, denn die Institute geben den zusätzlichen Aufwand an ihre Kunden weiter, ist Baumeister überzeugt. Zudem müssen die Firmenchefs künftig mit restriktiveren Kreditbedingungen rechnen. Doch er sieht darin auch eine Chance: „Die Unternehmen nehmen dies zum Anlass, ihr Rechnungswesen, Controlling, Risikomanagement und Reporting zu professionalisieren.“
Denn nur wenn sie im Blick haben, wie sich ihre Firma entwickelt, wenn sie ihre Zahlen kennen und interpretieren können, schaffen sie sich damit die Grundlage, um über die Financial Covenants zu verhandeln. „Denn die Kennzahlen, die in die Covenants eingehen, enthalten ja in erster Linie eine Prognose für die Unternehmensentwicklung“, erklärt Baumeister. „Wer mit der Bank verhandelt, muss also vorab klären, welche langfristige Strategie er verfolgt, welche Märkte, welche Kunden er im Visier hat, welche Projekte er angehen, welche Umsätze er realisieren will.“ Erst dann lassen sich nachhaltige Planzahlen identifizieren. Wichtig ist dafür, die Kennzahlen der Vergangenheit zu analysieren, um positive und negative Treiber zu erkennen. „Diese Ergebnisse können dann auch als wertvoller Input ins Frühwarnsystem einfließen“, empfiehlt der Experte.
Allerdings neigen zahlreiche Mittelständler dazu, zu optimistisch zu planen, auch weil sie erwarten, bei strengeren Kreditbedingungen günstigere Preise realisieren zu können. „Allerdings schnüren die vereinbarten Covenants später oft ein zu enges Korsett“, mahnt Baumeister. Er gibt zu bedenken, wie schnell  ein Covenantbruch erreicht ist: „Bereits wenn sich geplante Umsätze verschieben oder die Saisonschwankungen stärker als üblich ausfallen, sind  die Hürden dann nicht mehr zu schaffen.“ Wer jedoch vorab verschiedenen Szenarien für die Planzahlen durchspielt, kann ein Covenantmodell entwickeln, das auch in Zukunft trägt. Häufen sich später dennoch die Signale für einen drohenden Covenantbruch, sollte der Unternehmer seine Bank frühzeitig informieren, also schon bevor es zum Bruch kommt. „So sichert er sich eine bessere Verhandlungsposition und er signalisiert Ehrlichkeit, was die meisten Banken zu schätzen wissen.“ […]
Autor: Monika Hofmann (Auszug)

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