Der Stiftung ein Profil geben

Plädoyer für professionelles Stiftungsmanagement

„Menschen stiften Werte“ – der Trend ist unübersehbar. Inzwischen werden in Deutschland in einem Jahr so viele Stiftungen gegründet wie früher in einem Jahrzehnt. Stiften tut gut: Soziales, kulturelles, gemeinnütziges oder innovatives Engagement verbindet Familien und Unternehmen und wirkt dabei sinn- und identitätsstiftend über Generationen hinweg. Einerseits suchen kinderlose Paare, Singles ohne Nachkommen einen sicheren Hafen für Ihre Rücklagen, andererseits stehen zunehmend Familienunternehmen am Scheideweg – eine Generation ohne Nachfolger dankt ab. Individuelle Stiftungsmodelle können private und unternehmerische Vermögenswerte, angesammelt über Jahrzehnte, über künftige Generationen hinweg sichern, Familienunternehmen eine unabhängige Zukunft schaffen und gleichzeitig bürgerliches Engagement initiieren. Stiften dient dem guten Namen. Wer sein Vermögen einem guten Zweck zuführt, bleibt der Nachwelt in Erinnerung. Langfristige Betrachtung und das auf Dauer Wichtige sowie die Stärkung der dezentralen Eigenverantwortung sind wesentliche Akzente, die positiv dem von Kurzfristigkeit geprägtem Handeln der politisch Verantwortlichen und der starr geprägten Fürsorge des Wohlfahrtsstaats gegenübersteht. Damit jedoch nachhaltige und langfristige Wirkung mit Stiftungsarbeit erzielt werden kann und die zur Verfügung stehenden Mittel sinn- und wertstiftend eingesetzt werden, bedarf es, vergleichbar mit einem wachsenden Unternehmen, eine stetige Steigerung des Professionalisierungsgrades des operativen Managements einer Stiftung.

Gründungsphase – Profil nach INNEN (Inhalte & Personen)

Bei der Gründung der Stiftung die Prioritäten richtig setzen. Meist trägt ein potentieller Stifter seine Idee lange Zeit mit sich alleine, durch einen Impuls von außen wird sie dann spontan und zügig umgesetzt und der Schwerpunkt liegt im Startprozess bei Rechts- und Steuerkonformität. Für was die Stiftung dann über Generationen hinweg stehen will, findet man meist in einer sehr allgemein formulierten Satzung, die (zu)viel Spielraum bietet für künftiges gemeinnütziges Engagement. Für Steuern und Recht werden Fachexperten hinzugezogen, für die inhaltlichen Grundlagen des späteren Wirkens wird hierauf meist verzichtet. Das Rückgrat einer Stiftung sind Vision und Zweck. Beim Entstehungsprozess verdienen sie entsprechende Aufmerksamkeit. Das Selbstverständnis der Stiftung ist Basis der späteren Identität, die „DNA“ der Stiftung, und steht in enger Verbindung mit der Identität des Stifters: WER? (Namensgebung) – FÜR ? (Inhalt, Zweck, Zielgruppe) – WAS? (Maßnahmen, Projekte) – WIE? (finanziell fördern und/oder operativ gestaltend fördernd). Antworten auf diese Kernfragen sind am Anfang in Form von Diskussion und Dialog mit Beteiligten und Experten zu finden, um auf dieser Basis im nächsten Schritt Persönlichkeits- und Kompetenzprofile für Entscheidungs- und Führungsorgane der Stiftung zu definieren. Ob in der Personalrekrutierung Verwandtschafts- bzw. Bekanntheitsgrad oder Netzwerkzugehörigkeit entscheidend sind, müssen Stifter selbst entscheiden. Auffallend ist, dass die Personalstruktur in deutschen Stiftungen homogen ist und der Akademikeranteil um die 90 Prozent beträgt. Das macht insofern nachdenklich, da viele Stiftungsmitarbeiter den Anspruch haben, Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Mehr Betroffene und in der Praxis Erfahrene in den Rekrutierungsprozess einzubinden, wäre ein Schritt hin zu mehr Professionalität.

Aufbauphase – Profil nach AUSSEN (Strukturen & Marketing)

Ein unverwechselbares Profil sowie Qualität in der Trans parenz nach Innen und Außen schafft Vertrauen und Identität als Grundlage für nachhaltiges positives Stiftungswirken. Im nächsten Schritt geben die operativ Verantwortlichen der noch jungen Stiftung ein Profil nach Innen (Organisation und Prozesse) und ein Gesicht nach außen. Dies ist ein interaktiver Prozess, abhängig von Vermögens- und Personalausstattung einerseits und der Art und Weise der Förderungsarbeit andererseits. Basis des aktiven Handelns ist ein von den Entscheidern verabschiedeter Strategie-, Maßnahmen- und Haushalts-/Budgetplan. Parallel sind Strukturen für Vermögensmanagement und Administration zu schaffen. Passend zur festgelegten Stiftungsausrichtung werden die geeigneten Instrumente für die Öffentlichkeitsarbeit ausgewählt und gestaltet. Hierzu zählen ein einheitliches Erscheinungsbild (Corporate Design), Informationsmaterial (Imagebroschüren sowie Tätigkeits- und Projektberichte), Newsletter für die interessiert Öffentlichkeit sowie Projektpartner und Förderer, Internetpräsenz als zentrale Informationsquelle, Öffentliche Informationsveranstaltungen, Medienarbeit (Schreiben von Pressetexten) und Journalistenkontakte, aktive Teilnahme an Vorträgen/Kongressen sowie Fundraising-Kampagnen.

Weiterentwicklung – Projektmanagement und Projektcontrolling

Stiftung ist mehr als Geld zur Verfügung stellen – es bedeutet, aktiv Veränderungsprozesse in der Gesellschaft zu initiieren und zu begleiten als Beitrag zur Zukunftsfähigkeit einer modernen und gerechteren Zivilgesellschaft. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es zwingender Professionalität in Auswahl, Vorbereitung, Durchführung und Evaluierung von Projekten auf Basis des Stiftungszwecks. Für nachhaltiges Wirken sind geeignete Maßnahmen zu finden für die Bewertung und Messung der durchgeführten Projekte. Hier besteht vor allem für bestehende Stiftungen ein hohes Maß an Potenzial der Weiterentwicklung und kontinuierlicher Verbesserung.

Fazit:

Eine Stiftung will so professionell gemanagt und geführt werden wie ein erfolgreiches Unternehmen. Gerade für Stiftungen, die auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit zielen, verdient dieser Aspekt in der täglichen Arbeit mehr Aufmerksamkeit als bisher. Lucius Annaeus Seneca hat vor mehr als zwei Jahrtausenden konstatiert: „Man irrt, wenn man glaubt, dass Schenken eine leichte Sache sei. Es hat recht viel Schwierigkeiten, wenn man mit Überlegung geben und nicht nach Zufall und Laune verschleudern will.“ Im Übrigen profitieren von einer zunehmenden Professionalisierung alle Stakeholder gleichermaßen: Stifter, Gremienentscheider, Mitarbeiter Projektverantwortliche, Projektbegünstigte und die öffentliche Gesellschaft.

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